Foreign Language Reviews

NDR (Radio Germany) review of The Storm at the Door (Aufziehendes Gewitter) by Dirk Van Gunsteren

Der junge Amerikaner Stefan Merrill Block hat seinen Debütroman über eine Familie geschrieben, die – wie seine eigene Familie – seit Generationen an Alzheimer leidet. Das Buch heißt “Wie ich mich einmal in alles verliebte” und wurde ein internationaler Erfolg.

Jetzt ist sein zweiter Roman erschienen, der wieder in die Geschichte seiner Familie vordringt. Er heißt “Aufziehendes Gewitter” und Andrea Gerk stellt das Buch vor:

Die Schattenseiten des Bewusstseins faszinieren den 30-jährigen Amerikaner Stefan Merrill Block: In seinem Erstling beschrieb er so poetisch wie packend eine “Geschichte des Vergessens” – so der Titel im Original.

Familien-Legenden

Blocks Großmutter, die vor wenigen Jahren starb, erlebte solch eine Odyssee des durch Morbus Alzheimer verlöschenden Geistes – und durch sie ist auch der junge Autor erblich vorbelastet. Diese Großmutter und ihr Gatte Frederick spielen auch in Blocks neuem Roman die Hauptrollen, als eine Art Gedächtnisträger und Erinnerung-Auslöser für die ganze Familie.

Leseprobe:
“Noch im Erinnern von Ehrfurcht und Erbitterung geleitet, haben meine Mutter und ihre Schwestern das Bild meines abwesenden Großvaters in düsteren Farben gemalt: abenteuerlustig, tragisch, brillant, eine Fallstudie über die Gefahren eines zu außergewöhnlich gelebten Lebens. Bei unseren alljährlich im Sommer stattfindenden Familienzusammenkünften erzählen meine Mutter und ihre Schwestern die Frederick-Mythen – Geschichten, die das Gegenstück unserer Familie zur Ilias zu sein scheinen, jener Urerzählung, aus der alle modernen Geschichten entstanden sind.”

Weil Frederick betrunken an der Landstraße entlang torkelt und sich vor den Vorbeifahrenden entblößt, landet er in einer der – angeblich – besten psychiatrischen Anstalten des Landes, dem Mayflower Home. Hier leben Dichter, Kriegsveteranen, Professoren in ihrem je eigenen Kosmos.

So leben in Marvin Foulds, dem berühmtesten Fall der Klinik, 15 verschiedene Persönlichkeiten – vom “französischen Dichter bis zum Admiral”; oder Professor Schultz, der dem Klang der Dinge, eine eigene Sprache ablauscht, die er unaufhörlich notiert.

Leseprobe:
“Professor Schultz hat nicht immer die Geräusche gehört, die er nun in seinem Zimmer im Harvard Club katalogisiert, mittlerweile seine tägliche Arbeit, seine Lebensaufgabe. Als Kind hat er, wie alle Kinder, gedacht, die Sprache seiner Eltern sei die einzige, die es gebe. // Erst nach dem Tod seiner Mutter hat Schultz diese Sprache zum ersten Mal deutlich gehört, die anders ist als alle anderen: Die Geräusche, mit denen die Dinge direkt zu ihm sprechen, ohne menschliche Laute.”

Das so kuriose wie kapriziöse Personal der Klinik erinnert durchaus an den Kultroman “Einer flog über das Kuckucksnest”. Doch das schmälert den Zauber von Stefan Merrill Blocks Roman keineswegs, denn dieses Buch geht durchaus weiter.

“Aufziehendes Gewitter” ist nicht nur eine humorvoll und souverän erzählte Familiengeschichte, sondern auch eine vielschichtige Reflexion über unsere Konstruktionen von Identität und Erinnerung und über die prägenden Legenden und Lügen, die unsere Familien zusammen halten.

Il Foglio (Italy)

Nice review in Italian published in Il Foglio,